Abdul, ein siebenjähriger afghanischer Junge darf in Europa nicht zur Schule gehen

Dublin III – Eine neue Generation von AnalphabetInnen in Europa

Abdul ist sieben, sagt er und zeigt uns 10 Finger. Er kann nicht zur Schule gehen, weil „die ist zu weit weg“, sagt er und schaut unsicher zu Boden. Abduls Volksschule ist in Deutschland. Ganze 5 Monate hat er dort gelebt, bevor er nach Kroatien abgeschoben wurde, weil österreichische Behörden das so wollten.

Warum gerade wir?

Auch Familie R. weiß nicht, warum gerade sie unter 700.000 Flüchtenden ausgesucht wurden, die im Winter 2015 Kroatien bei offenen Grenzen mit behördlichen Papieren ausgestattet durchquerten, um schließlich in Österreich um Asyl anzusuchen. Zehn Monate lebten der Vater und die beiden Buben unbehelligt in Niederösterreich, doch dann kam der Abschiebebescheid für Kroatien. Da flüchteten Vater und Kinder weiter nach Deutschland. Dort lebt auch Abduls ‚Oma‘, die sich der Familie in den 5 Monaten trügerischer Sicherheit vor der Abschiebung angenommen hat.

Keine Schule, keine Mama…

Die Chance auf Schutz war in Österreich realistisch. 2016 wurden über 60% der Anträge afghanischer StaatsbürgerInnen positiv entschieden. In Kroatien ist die Chance gleich null als Flüchtling anerkannt zu werden. 

Im Frühling 2017 schoben deutsche Behörden Abdul nach Zagreb ab. Immer noch auf der Grundlage  des österreichischen Dublin-Bescheides. Seit 4 Monaten ist er jetzt schon in einem kroatischen Camp, mit Vater und Bruder, der ebenfalls nicht eingeschult wurde. Seine Mama hat er seit 20 Monaten nicht gesehen. Mit der Schwester im Säuglingsalter war die Flucht zu gefährlich. Doch da eine Familienzusammenführung erst nach dem positiven Asylbescheid gewährt wird und Dublin III dies verunmöglicht, hat sich Abduls Mama nun nach beinahe zwei Jahren selbst mit der kleinen Tochter auf den gefährlichen Weg gemacht. 

Nah aber unerreichbar

Nur 3 Autostunden trennen Abdul nun von seiner Mama, aber dennoch ist sie unerreichbar. Sie sitzt mit der kleinen Schwester in Belgrad fest. Kroatien hat die Grenzkontrollen verschärft. Die Schicksal der Familie hängt an einem seidenen Faden. Werden auch sie sich wie viele wieder aufmachen müssen, quer durch Europa, auf der Suche nach einem Land, das nicht abschiebt?

„Eins, zwei, drei, vier, fünf, sechs, neun“, zählt uns Abdul auf Deutsch im kroatischen Lager vor. Wann Abdul lang genug in einem Land leben wird können, um eine nachhaltige Schulbildung zu bekommen, steht in den Sternen.


#dublinmustfall #letthemstay #solidaritätstattabschiebung

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